Magazin — Rente und Ruhestandsplanung

Wer selbst vorsorgt, ist bei der Rente klar im Vorteil.

05. September 2022 auf Magazin | Hegers Finanzen GmbH



Die Deutschen werden älter und zugleich die Rentenkassen leerer. Zugleich entflammt die Debatte um das Renteneintrittsalter. Fest steht: Viele müssen sich ernsthaft um die Finanzierung Ihrer Rente kümmern.



In den vergangenen Jahren sind die Renten deutlich gestiegen: 2025 um 3,74 %, 2026 um 4,24 % — jeweils bundeseinheitlich, nachdem Ost- und Westrenten seit 2023 vollständig angeglichen sind.

Doch das deutsche Rentensystem steht auf tönernen Füßen. Immer mehr Experten warnen davor, dass die Rente in ihrer aktuellen Form nicht länger finanzierbar sein wird. Die Gründe dafür liegen besonders im demografischen Wandel. Vereinfacht gesagt, kommen immer mehr Renten-Bezieher auf immer weniger Einzahler. Das kann langfristig nicht solide funktionieren.

Rente mit 70?
Wahlfreiheit statt Bevormundung!

Schon wird die Rente mit 70 diskutiert, inklusive hitziger Debatten und Schuldzuweisungen. Dabei liegt eine simple Zwischenlösung auf der Hand: Wer länger arbeiten möchte, sollte es auch tun – aus welchen Gründen auch immer. Ältere Menschen sollten selbst entscheiden dürfen, wie lange sie in ihrem Beruf tätig sein wollen. Selbstverständlich wird ein angestellter Maurer keine 40-Stunden-Woche mehr malochen wollen.
Aber warum sollte ein Architekt nicht länger als bis zum 67 Lebensjahr Bauten planen dürfen?

Entscheidungsfreiheit ist gefragt – und keine Bevormundung. Das würde der sich immer weiter individualisierenden Arbeitsrealität vieler Bürgerinnen und Bürger Rechnung tragen und Druck vom Kessel nehmen. Gleichzeitig gäbe es für die Unternehmen Anreize, auch älteren Beschäftigten berufliche Perspektiven zu bieten. Berufliche Fortbildung ab Mitte 50 – auch das könnte ein Vorteil der Novelle sein.

Eigenverantwortliche Vorsorge ist zwingend notwendig.

Seit Januar 2023 sind die Hinzuverdienstgrenzen bei vorgezogenen Altersrenten vollständig weggefallen. Wer eine Altersrente bezieht — auch vorzeitig — kann unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Seit 2026 gibt es zusätzlich die sogenannte Aktivrente: Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung hinzuverdienen.

Das ermöglicht älteren Beschäftigten, den Übergang aus dem Arbeitsleben in den Ruhestand flexibel zu gestalten. Ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch gilt es, einer bitteren Realität ins Gesicht zu sehen: Der Generationenvertrag, die Grundlage unseres umlagefinanzierten Rentensystems, geht zukünftig nicht mehr auf.

Der in diesem Jahr wiedereingeführte Nachholfaktor als Teil der Rentenformel, wird bei der Berechnung zukünftiger Rentenanpassungen dafür sorgen, dass die Renten nicht wie bisher mit den Löhnen steigen. Die Rentensteigerungen werden um einen Faktor gekürzt, der dem Verhältnis von beitragspflichtigen Arbeitnehmern und Rentnern entspricht.
Das Resultat: Die Renten werden über viele Jahre von der Inflation abgeschmolzen.

Die Rente ist sicher! Bei solider Finanzplanung.

Besonders mit Blick auf die veränderte Lebenserwartung ist das bedenklich. Die Menschen in unserem Land werden deutlich älter. Die aktuellen Sterbetafeln der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), die Versicherer für die Kalkulation von Rentenversicherungen verwenden, rechnen mit erheblichen Sicherheitsmargen für steigende Lebenserwartung — eine heute 55-jährige Frau kann versicherungsmathematisch mit einer Lebensdauer von weit über 90 Jahren kalkuliert werden. Das heißt: Der Rentenbezug wird immer länger. Auf der anderen Seite fehlen die erforderlichen Beiträge aus sozialversicherungspflichtigen Löhnen und Gehältern.

Allein aus steigenden Beitragssätzen lässt sich das Problem finanzmathematisch nicht lösen, zumal die Akzeptanz in der arbeitenden Bevölkerung dafür nicht sehr hoch sein dürfte. Das heißt: Das geflügelte Wort des alten Sozialdemokraten Norbert Blüm hat keinen Bestand mehr. Um es ganz klar zu sagen: Nein, die Rente ist nicht sicher. Im Gegenteil: Für Viele wird sie sogar einen tiefen Einschnitt bedeuten. Deswegen ist private Vorsorge zwingend notwendig.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Die dargestellten Einschätzungen spiegeln die Meinung der Redaktion zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider. Individuelle Fragen sollten mit einem qualifizierten Berater besprochen werden.

Christian Hegers, Geschäftsführender Gesellschafter von Hegers Finanzen

Dieser Artikel stammt von:

Christian Hegers

Geschäftsführender Gesellschafter

"Wer früh anfängt und regelmäßig investiert, hat einen enormen Vorteil — nicht weil Märkte berechenbar sind, sondern weil Zeit der stärkste Verbündete bei der Vermögensbildung ist."