Drei Mechanismen, die in der Praxis durchschlagen.
1. Schwankungen kosten Rendite — mehr, als der Durchschnitt zeigt.
Wer wenige Positionen hält, hat höhere Schwankungen. Das ist intuitiv klar. Was nicht intuitiv ist: Höhere Schwankungen reduzieren die tatsächlich realisierbare Rendite — selbst bei identischer Durchschnittsrendite. Wer in einem Jahr 50 % verliert und im nächsten 50 % gewinnt, hat im Mittel 0 % Rendite, tatsächlich aber 25 % verloren.
Bei einem 500.000-€-Depot heißt 30 % Volatilität, dass Sie statistisch in jedem dritten Jahr Buchverluste von 100.000 € oder mehr sehen — ohne dass etwas schiefläuft. In unseren Simulationen liegen konzentrierte Portfolios bei 25 bis 35 % Volatilität, ein breites Marktportfolio bei 15 bis 18 %. Selbst eine etwas höhere Durchschnittsrendite des konzentrierten Depots wird durch die zusätzlichen Schwankungen meist vollständig aufgefressen.
2. Der Wartungs-Container.
Innerhalb eines breit aufgestellten Fondsvehikels — sei es ein klassischer Indexfonds oder ein Assetklassenfonds — passiert das Rebalancing zwischen Positionen steuerneutral. Bei direkt gehaltenen Einzelaktien löst jede Anpassung sofort Steuern aus. Über lange Anlagezeiträume ist das der robusteste steuerliche Hebel — wichtiger als die viel diskutierte 30 %ige Teilfreistellung, deren echter Netto-Vorteil bei 0,3 bis 0,5 Prozentpunkten pro Jahr liegt.
In der Theorie ließe sich der Vorteil neutralisieren, wenn man Einzelaktien strikt buy-and-hold hielte. In der Praxis hält kaum jemand ein Portfolio 30 Jahre lang ohne jede Anpassung — Unternehmen werden übernommen, gehen pleite, fallen aus der Auswahl. Spätestens dann schlägt die Steuer zu.
3. Klumpenrisiko — mit Namen.
„Top-Listen“ sind selten zehn unabhängige Wetten. Die größten Aktien stammen fast immer aus wenigen Branchen oder Regionen — wie die fünf Telekommunikationswerte oben aus der Jahrtausendwende. Im Jahr 2007 beherrschte Nokia mit rund 50 Prozent Marktanteil den globalen Smartphone-Markt. 2018 verdrängte Wirecard die Commerzbank im DAX. Heute ist Nokia praktisch raus aus dem Mobilfunkgeschäft, und Wirecard ist Synonym für den größten Bilanzbetrug der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Hendrik Bessembinder2 hat das mathematisch belegt: Über fast 100 Jahre US-Aktienmarkt waren rund 4 Prozent aller Aktien für die gesamte Netto-Wertschöpfung der Börse verantwortlich. Anders gesagt: 96 von 100 Aktien haben nicht einmal die Rendite einer einfachen Geldmarktanlage geschlagen. Wer aus diesen 96 zufällig auswählt — und das tun selbst erfahrene Anleger zu einem hohen Anteil —, liegt strukturell zurück.
Und Warren Buffett? Buffett konzentriert mit 60 Jahren operativer Erfahrung, Vollzeit-Research, Holdinginsight in seine Beteiligungen und einem Eigenkapital, mit dem er Krisen überdauern kann, ohne verkaufen zu müssen. Drei Bedingungen, die kaum ein privater Anleger erfüllt. Wer ohne sie konzentriert, kopiert nicht Buffetts Strategie — nur ihren Anschein.